Gestern am 26.10.26 bin ich hier angekommen, ein cooles Datum. Zudem hat mir Isabelle via Satellitentelefon als ich gerade Land in Sicht hatte, gemeldet, dass Lula die Wahlen in Brasilien doch gewonnen hat, nachdem es sehr knapp war beim ersten Wahldurchgang. Was für ein Omen für meine Brasilienreise! Ich freue mich.
Aber jetzt, ein harter Kampf der letzten Meilen. Der Wind hat kräftig aufgedreht, ein Düseneffekt zwischen den Inseln Sao Vincente und Sao Antao. Die Windfahnensteuerung ist eingestellt und das Steuerrad fixiert. Auf dem AIS sehe ich zum Glück kaum Boote. Dann wird der Wind härter und ich binde das erste Reff ein. Dann wird’s wieder gemächlicher, d.h. immer noch schnelle 7 Knoten. Ich suche das Leuchtfeuer der Ilheu dos Passaros (Vogelinsel). Aber die genannten 13 Sek. Wiederkehr(die Dauer bis das Licht wieder erscheint gemäss Seekarteneintrag) sind deutlich kürzer , so bin ich mir nicht ganz sicher. Dann zweites Reff, dann das dritte Reff und schlussendlich alles Tuch runter. Dann muss ich in der Dunkelheit den Spinakerbaum, mit dem ich das Vorsegel offen halten kann, im Wellengang runternehmen und in seiner Vorrichtung auf Deck fixieren. Das alleine ist schon eine Herkulesaufgabe. Dann Motor und Autopilot ein. Sehr gut, alles bestens, Kurs stimmt nun aufs Leuchtfeuer. Dann plötzlich wieder Streik vom Autopilot, «kein Antrieb» war die Meldung wie vor ein paar Tagen schon. Nehme das Steuer selbst in die Hand während dem ich aufs Navionics(elektronische Seekarte auf dem Handy) schauen muss. Zwischen dem Festland backbord und der Insel Ilheu dos passaros bauen sich die Wellen brechend auf und ich musste mich höllisch konzentrieren, dass das Boot nicht aus dem Ruder läuft. Warum muss ich bloss in der Nacht ankommen?! Jetzt erscheinen vor mir alle Lichter von Mindelo und alle Hafenlichter. Shit, keine Möglichkeit mich zu orientieren, musste mich voll auf die elektronische Karte verlassen. Dann in diesem Lichtermeer sehe ich, dass sich eine Lichterformation bewegt. Direkt vor mir ein grosser Dampfer, non de dieu, was machen?. Ich merke aber, dass ich offenbar gesehen werde und er Kasten Rücksicht nimmt und sehr langsam sich vom Dock entfernt. Irgendwann, mit viel Herz in der Hose, bin ich da, wo auf der Karte Ankergrund eingezeichnet ist. In die Yachthafen bei diesen heftigen Fallböen und ohne Licht? Nein niemals, also lasse ich irgendwo den Anker fallen. Vor mir sehe ich jetzt auch eine ganze Reihe Segelschiffe mit Ankerlicht am Masttop. Doch kaum geankert, sagt mir der Ankeralarm, dass wir abtreiben. Doch ich glaube nicht, habe doch mindestens 30 Meter Kette gesteckt und das Alarm-App lässt sich nicht grösser als 19 m Radius einstellen, ausserhalb dieses Radius gibt er einfach Alarm. Der Anker war fest, dass zeigt mir die Peilung zum Land und schliesslich Navionics. Auf dem Bildschirm verschiebt sich mein Standort nicht.
Jetzt endlich, endlich, der Champagner von Rolf und prosit! Prosit auf die wahnsinnige Leistung Madeira Porto Santo 1080 sm (wie gesagt, kommt die Leistung von meinem Boot und meiner Windfahnensteuerung)
Heute Morgen zuerst per Funk über Kanal 9, wie im Transatlantik Handbuch vermerkt, versuchte ich mehrmals die Marina zu erreichen. Da war nichts als Silence. Schlussendlich schaute ich die Navionics Angaben. Da stand es: Kanal 72. Mindelo Marina, Mindelo Marina, this is SY Lovetheplanet...do you have a berth for my boat?
Den Anker zu lichten war dann – ohne elektronische Ankerwinsch- eine morgendliche Kraftprobe. Aber mit Geduld und der Hebelwirkung konnte ich ihn ausbrechen.
Bei der Marina erwarteten mich zwei freundliche Helfer. Gott sei Dank, denn die Windböen haben nicht ab sondern zugenommen. Kurz darauf war Lovetheplanet festgemacht in der Marina Mindelo.