Am zweiten Tag unserer Überfahrt quer über die Nordsee befinden wir uns westlich der Deutschen Bucht mit Ostfriesland und Helgoland. Mir geht durch den Kopf, dass in dieser Gegend 1916 die grösste Seeschlacht aller Zeiten stattgefunden hat, die Skagerrakschlacht. Um die 250 Schlachtschiffe und U-Boote der Deutschen und Engländer haben sich hier gegenseitig versenkt, über 8000 Seeleute sind auf dem Meeresgrund begraben. Der Nebel der uns umgibt, passt zu den Gedanken an diese fürchterlichen Ereignisse. Wir kämpfen mit der Müdigkeit, wechseln uns im 2 Stundenrhythmus ab mit Wache. Der oder die Wachhabende kontrolliert die Windrichtung, den Wellengang, die elektronische Seekarte und das AIS (automatisches Informationssystem) . Auf einem kleinen Bildschirm wird darauf unser Boot als kleines Dreieck dargestellt. Nähern sich andere Schiffe, erscheinen andere Dreiecke. Gleichzeitig ertönt ein Piepsalarm. Am Morgen war der Nebel viel dichter als auf dem Bild nebenan und die Sichtweite ein paar hundert Meter. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn plötzlich eine graue Wand eines Ozeandampfers vor uns auftauchen würde.
Letzte Nacht haben wir fast immer den Motor mitlaufen lassen. Der Wind war zu schwach und da wir alle Geräte laufen hatten inklussive Kühlschrank und das Solarpanel logischerweise keinen Strom lieferte, wäre die Batterie schnell wieder leer gewesen. Das passierte bereits zweimal. Ich konnte den Motor nachts nicht starten und musste mittels ad hoc selbstgebasteltem Überbrückungskabel die Reservebatterie anschliessen. Das hies im Wellengang alles wegräumen um zur Reservebatterie zu kommen, die Abdeckung zur Bordbatterie wegnehmen und die Kabelklemmen ansetzen. Jedesmal ein Krampf. Die Reservebatterie hatte ich nur dank des guten Rates unseres Segellehrers Adrian Zürcher an Bord.